... DES VERSCHÄRFTEN LOCKDOWNS 

11. Januar 2021. Seit heute gilt der verschärfte Lockdown in Bayern, und wenn man den politisch Verantwortlichen gut zuhört, wird schnell klar, dass wir diesen Zustand Anfang Februar vermutlich noch nicht überwunden haben werden.  Ich kenne geschlossene Geschäfte, geschlossene Grenzen, eingeschränkte Bewegungsradien aus meiner Kindheit in Rumänien. Nun also erneut. Diesmal viral bedingt. 

 

Wie im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 fühle ich das dringende Bedürfnis, der Enge der Restriktionen und Regularien - coronakonform - zu entfliehen. 

Diesmal möchte ich Eindrücke des Alltags festhalten. 

Bildkomposition, Linienführung, Lichteinfall, oder doch eher Stoffe, Texturen, Farben?

Ein Bild nachstellen kann auf viele Arten fordern: Der/ die eine mag ein scharfes Auge für's Detail haben, der / die andere eher ein Gespür für die Stimmung des Bildes entwickeln. Der / die nächste orientiert sich an den Utensilien, die spontan zur Hand sind. Andere wiederum fokussieren ihre Lieblingsepoche der Kunstgeschichte, oder eine/n bestimmte/n Maler/in. 

Welche Aspekte man selber im Blick hat, wie man die Kunstwerke re-interpretiert: das ist immer individuell, individuell verschieden, individuell kreativ. 

Durch die Corona-Krise und den Aufruf des Paul Getty Museums (LA) angeregt, habe ich meine alte Leidenschaft, die Kunst(geschichte), wiederentdeckt, versuche nun, sie auf spielerische Art und Weise auszuleben und ein Stück weit meiner Familie begreifbar zu machen - sie mit ihnen zu teilen.

Wer in Kunstbüchern blättern will, wer sich in fremde Bilder, spannende Geschichten eindenken, wer mitmachen will, ist herzlich eingeladen!

(April 2020)

KONTAKT

KUNST : SEHNSUCHT

So viel Sehnsucht auf so kleiner Fläche - der Titel eines Buches, in dem sich Karl Ove Knausgard der Kunst des norwegischen Expressionisten Edvard Munch nähert. Kunst für Knausgard essentiell: "Kunst macht dasselbe wie Religion. Sie intensiviert die Bedeutung und sie definiert mich auf gewisse Weise“ (Karl Ove Knausgard, Kämpfen, 2011).

 

So viel Sehnsucht auf so kleiner Fläche - Das Gesamtwerk Munchs handelt davon, was es heißt, Mensch zu sein. "[...] Kunst, die aus den Tiefen unseres Inneren kommt. Die Kunst soll den Menschen bewegen und ein Ausdruck seines Lebens sein. Ein Leben, erfüllt mit Liebe, Leid und Gefühlen" (Edvard Munch, 1889, Manifest von St. Cloud). 

So viel Sehnsucht auf so kleiner Fläche - Nomina, Adjektive und Präpositionen, regelhaft zusammengefügt, in Summe mehr als die Summe der einzelnen Wörter.  Corinths "Winterlandschaft am Walchensee" bringt mich diesem Gefühl sehr nahe. Allerdings sind alle Gefühle, die Kunstwerke in uns auslösen - gleich ob es sich um Literatur oder Bildkunst handelt - derart eng an die eigenen persönlichen Erfahrungen gebunden, dass wir jedwelche Kunsterfahrung nicht als universell, in gleichem Maße für alle Menschen gültig, ansehen können und dürfen. Sie ist ganz individuell an die eigene Gefühlswelt gebunden, ein Ausdruck des eigenen menschlichen Lebens. Kunst erfahren, sich von Kunst berühren zu lassen heißt, sich als Mensch zu verstehen. Diese Sehnsucht liegt in der Kunst.